Palais der Familie Wallenberg-Pachaly

Die Residenz in der ul. Szajnochy ist neben dem Hatzfeld-Palais das einzige Objekt in Wrocław mit erhaltenen originellen klassizistischen Innenräumen.

Das Gebäude kann gelegentlich besichtigt werden. Es lohnt sich, auf diese Chance zu warten, um das prachtvolle Treppenhaus, den Ovalen Saal mit Kamin sowie die ehemaligen Räume des Speditionsunternehmens, darunter den Stall bewundern zu können.

Die Rettung des Palais aus dem 18. Jh., das zwischen den heutigen Straßen ul. Kazimierza Wielkiego und Szajnochy liegt (in der ul. Szajnochy befindet sich der Haupteingang) kann man als ein echtes Wunder bezeichnen. Der Ring und seine unmittelbare Umgebung waren total zerstört.

Vater und Sohn

Die Entstehung der Magnatenresidenz ist mit einem großen Namen der Architektur des 18. und 19. Jh. verbunden. Für den Entwurf des in den Jahren 1785-1787 erbauten Bauwerks war Carl Gotthard Langhans verantwortlich, einer der berühmtesten europäischen Architekten des Klassizismus.

Er stammte aus Kamienna Góra und lebte viele Jahre in Wrocław. Er schuf zahlreiche Paläste, Kirchen und öffentliche Bauten auf dem Gebiet des alten Preußens, als sein berühmtestes Werk gilt dabei das Berliner Brandenburger Tor. Das Palais in der heutigen ul. Szajnochy entstand als Sitz der Familie Wallenberg-Pachaly.

Dreißig Jahre nach seinem Vater bereitete Carl Ferdinand Langhans, der Sohn des berühmten Architekten, einen Plan für den Ausbau der Residenz vor. Er wurde nicht so bekannt wie sein Vater, dennoch ist sein Werk beeindruckend – er entwarf u.a. das Operngebäude und die Synagoge zum Weißen Storch. Im 19. Jh. wurde das Bauwerk noch mehrmals umgestaltet.

Kontor, Stallungen, Wohnräume für Bibliothekare

Den Eingang in das Gebäude markiert eine zwei Stockwerke hohe Portikus. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich das Treppenhaus: oval, mit ausgebautem System von prachtvollen Treppen, die zu privaten Räumen, zum Ovalen Saal und zu den ehemaligen Räumlichkeiten des Kontors und des Handelsunternehmens des Besitzers führten. Es ist eines der schönsten und originellsten Treppenhäuser Wrocław.

Im kleinen Ovalen Saal sind ein von Karyatiden flankiertes Kamin, originelle Stuckelemente und Deckengemälde mit der Darstellung der Allegorie der Zeit erhalten geblieben. Diese Darstellung ist einzigartig, denn Kronos – der meistens als ein ernsthafter Mann mit Sense dargestellt wird, spielt hier Flöte (die Sense hält er trotzdem in der Hand).

Im Gebäude kann man immer noch die originelle Raumaufteilung in Enfilade bewundern.

Das Gebäude in der ul. Szajnochy diente nicht nur als städtische Residenz, hier befand sich auch der Sitz des Speditions- und Handelsunternehmens und des Kontors. Die Wagen der Händler fuhren ins Gebäudeinnere hinein, dort wurden sie entladen und die Pferde in die Ställe gebracht. Ein Teil der Räume verfügt noch über die originelle Ausstattung und ist im besten Zustand. Besichtigen kann man hier u.a. Ställe mit Futterkrippen aus Stein.

Bis 1945 hatte hier u.a. die Commerzbank ihre Büros. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Objekt von der Universität Wrocław übernommen. Mehrere Jahrzehnte diente ein Teil des Gebäudes als Wohnraum für Mitarbeiter der Unibibliothek. Den Großteil der Räume beanspruchte jedoch die Bibliotheksverwaltung, es befanden sich dort die Arbeitszimmer der Bibliothekleitung, Depots und Spezialräume.

2013 schrieb Universität Wrocław – nach dem Umzug der Unibibliothek in das neue Gebäude – das Palais zum Verkauf aus. Ein aktives Interesse für den Kauf zeigten zuerst Vertreter der Familie Wallenberg-Pachaly. Doch letztendlich verzichteten sie auf den Kauf des auf 11 Mio. geschätzten Gebäudes und es blieb weiterhin im Besitz der Universität.

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