Das ist ein Ort mit Touristenkarte nur 4 / 2 Punkt

Theatermuseum in Wrocław

Das Theatermuseum bietet nicht nur Gelegenheit, spannende Geschichte der Theater von Wrocław kennenzulernen, sondern auch zum Spiel mit Stimme und Körper.

Der Patron des ersten Theatermuseums Polens ist Henryk Tomaszewski. Der herausregende Schauspieler und Regisseur war der Gründer und langjähriger Direktor des Pantomimetheaters von Wrocław. Die in Wrocław tätigen Theater von Tomaszewski und Grotowski galten als Marken der höchsten Weltklasse.

Das Theatermuseum ist eine Abteilung des Städtischen Museums Wrocławs.

Das neue Museum erzählt auf spannende Weise nicht nur die Geschichte der Pantomime, sondern auch des gesamten Theaterlebens von Wrocław – mittels Dauer- und temporärer Ausstellungen des originellen Bildungsprogramms, das theoretische und praktische Workshops, Treffen, Shows und Kurse verbindet, die auf unkonventionelle Art einen Einblick in die Geheimnisse des Theaters liefern.

Das Theatermuseum liegt direkt neben dem Nationalen Musikforum. Am Eingang in das Gebäude, einem erhaltenen Fragment des Südflügels des Königsschlosses steht eine Bronzeskulptur, entworfen von Theodor von Gosen, das das Gesicht des mythologischen Sängers Orpheus zeigt. Das dreigeschossige Gebäude (1307 Quadratmeter) beherbergt Geschichten von großen Berühmtheiten des Theaters von Wrocław.

Das Museum ist ein Beweis dafür, dass das Theater ein faszinierendes geheimnisvolles Ort ist, der die Fantasie beflügelt und Emotionen weckt.

Das Theatermuseum ist eine weitere Kultureinrichtung am pl. Wolności, neben der Oper, dem Nationalen Musikforum und dem Städtischen Museum.

Wohnung von Henryk Tomaszewski

Im Museum wurden Räume aus der Wohnung von Henryk Tomaszewski nachgestellt, mit einem Schreibtisch voller Papiere, Bilder, Bücher, an denen er vor seinem Tod gearbeitet hat. Untergebracht wurden hier auch seine Sammlungen – Puppen, Spielzeuge und Devotionalien.

Dieser Teil der ständigen Ausstellung wurde noch zu Lebzeiten von Stefan Kayser konzipiert, der Mime am WTP und – 30 Jahre lang – Partner von Henryk Tomaszewski war. Die auf drei Räume verteilte Ausstellung umfasst Gegenstände aus der legendären Sammlung von Henryk Tomaszewski, darunter seine geliebten Puppen sowie Kostüme und Requisiten aus den Stücken des Pantomimetheaters von Wrocław. Die Besucher können dabei einen Blick in die Schubladen und Schränke mit jeder Menge außergewöhnlicher Artefakte werfen.

Tomaszewski mochte keine Multimedia, deshalb findet man in seiner Wohnung nur ein altes Fernsehgerät der Marke Rubin, das es auch in seinem Haus gab.

In der Bibliothek von Prof. Degler

Sein Arbeitszimmer oder eher Bibliothek hat im Museum Prof. Janusz Degler, Theaterwissenschaftler und Kenner der Werke von Witkacy. Der Professor vermachte dem Museum seine Sammlung mit über vier Tausend Fachbüchern zum Thema Theater. Zusammen mit den Schriftstücken aus den Beständen des Museums bildet die Sammlung eine einzigartige Fachbibliothek, eine der polenweit größten, die dem Theater gewidmet ist.

Sie umfasst polnische und fremdsprachige Lexika und Theaterwörterbücher, Quelleneditionen und Kompendien zur Geschichte und Theorie des Theaters, Synthese der Theatergattungen, Abhandlungen zur Schauspielkunst, Bühnenbild und Theaterarchitektur. Unter den Beständen findet man außerdem die Geschichte des Dramas und Editionen der Dramentexte, Biographien der Personen aus den Theaterkreisen, Memoiren, Korrespondenz, Theaterkritik, Publikationen über Theaterpädagogik, Organisation des Theaterlebens, Festivals etc. Die Bibliothek vervollständigen Almanachs, Bibliografien und Theaterzeitschriften sowie Sonderbestände wie Rekonstruktionen und Aufzeichnungen der Theaterstücke und Theaterprogramme.

Man findet hier auch Magisterarbeiten zum Thema Theater. Professor wird auch selbst Dienst in der Bibliothek haben, man kann dort arbeiten und recherchieren. Prof. Degler schenkte dem Museum außerdem eine Sammlung an Postkarten mit Darstellungen der Theatergebäude aus der ganzen Welt.

Im Atelier von Stefan Arczyński

Über eine eigene Werkstätte im Theatermuseum verfügt auch Stefan Arczyński, der Nestor der polnischen Fotokunst, der zahlreiche Werke eben dem Pantomimetheater gewidmet hat. In einem Saal kann man seine Bilder bewundern, wie auch eine analoge Dunkelkammer mit der Originalausstattung – einem Vergrößerungsgerät und Entwicklungsschalen besichtigen.

Im größten Saal mit einer prachtvollen Kassettendecke und einer verglasten Arkadenwand, die sich zum pl. Wolności öffnet, befindet sich eine Ausstellung, die dem Theater in Wrocław nach 1945 gewidmet ist. In dem mehr als sieben Meter hohen Raum bekommen wir Exponate zu sehen, die das Städtische Museum seit den 70er Jahren gesammelt hat und die durch eine spezielle Vorführung vervollständigt werden. Diese Ausstellung wird auch von außen, von Pl. Wolności sichtbar sein.

Das Atelier der „Maulläute“ von Dr. Mirosław Oczkoś

Ein kleiner Bereich – ein Multimediastandort, gewidmet der Diktion, wurde im zweiten OG untergebracht. An einem eigens zu diesem Zweck konzipierten Pult kann man mit Zungenbrechern spielen, die eigene Ausdrucks- und Sprachweise prüfen, den Meistern der polnischen Sprache lauschen sowie – dank der Applikation – eine eigene Klangpostkarte auf elektronischem Weg verschicken bzw. die Aufnahme im sozialen Netzwerk posten.

Der Autor und Betreuer der Werkstatt ist Mirosław Oczkoś, Polens bester Lehrer der Diktion, Schauspieler, Film- und Fernsehregisseur.

Hinter den Kulissen

Im Museum kann man sehen, wie eine Konsole des Inspizienten arbeitet, sich ein Erinnerungsfoto im Bühnenkostüm machen zu lassen und dieses anschließend im sozialen Netzwerk posten. Geplant sind außerdem ein Schnürboden sowie ein Ort, an dem Theateraberglauben gesammelt wurden. Wir können uns an den originellen Schminktisch von Igor Przegrodzki hinsetzen und dabei sehen, wie sich der exzellente Schauspieler für die Rolle des Königs Lears charakterisiert. Im letzten OG wurde ein Theatersaal untergebracht, der für Vorführungen und Workshops geeignet ist.

Theatralisch wurden auch die Toiletten gestaltet - man findet dort Zitaten berühmter Schriftsteller, Publizisten, Schauspieler und Regisseure, die dem Theater gewidmet sind. Einen Vorgeschmack dafür findet man schon auf der Wand beim Eingang: „Ich kenne nur zwei Sorten des Publikums: jene, die husten und die, die es nicht tun“ Artur Schnabel, „Der Eunuch und der Kritiker sind von der gleichen Sorte, beide wissen, wie es geht, doch keiner kann es” Tadeusz Boy-Żeleński. 

Der Umbau und die Renovierung des Gebäudes sowie dessen Einrichtung kosteten rund acht Millionen Zloty.

Agnieszka Kołodyńska

Abb. Janusz Krzeszowski

Galerie

Mehr Orte