Künstler vom Gentelmen’s Jazz Duo haben mit ihren Konzerten in ganz Europa für Wrocław geworben

Sie spielten in einem exklusiven Münchner Stadtteil und in einer kleinen Gasse, die zum Vatikan führt, vor der Stadtverwaltung in Prag, in einem kroatischen Hafen und im ungarischen Veszprém, das schon bald das Amt der Europäischen Kulturhauptstadt übernimmt. Zwei Künstler aus Wrocław haben ein gutes Stück Europa bereist, haben dabei gespielt und für ihre Heimatstadt geworben.

Das Gentelmen’s Jazz Duo besteht aus Tomasz Krajewski, Schauspieler, Sänger und Musiker sowie aus dem Multiinstrumentalisten Bartek Ziętara. In ihrem Alltag sind sie eng mit Wrocław verbunden, zusammen mit ihren Freunden bilden sie eine größere Formation, die Gentelmen’s Jazz. Ihren festen Sitz hat die Band im Vertigo Jazz, in der ul. Oławska (außerhalb von Wrocław – im Hotel Platinum Mountain in Szklarska Poręba).

– "Ich habe schon immer eine Europatournee geplant, mit einem Ziel in meinem Chania, einer Stadt auf Kreta. Ich würde fahren und unterwegs in den Straßen spielen, ich liebe das einfach" – erzählt Tomek Krajewski, Ideengeber der Eskapade. – "Die Pandemie zwang uns, diese Pläne zu korrigieren und so habe ich schließlich Rom als Ziel gewählt“.

Wegen des Corona-Virus haben sie beschlossen, nur zu zweit zu reisen. Ihr Repertoire besteht aus Jazzstandards und Hits der Popmusik, vor allem aber aus eigenen Stücken.

Einer der Mäzene (Inhaber der Plattform ChronPESEL.pl) hat ihnen ein reich ausgestattetes Auto zur Verfügung gestellt, einen Nissan Navara. Ins Fahrzeug passten die Instrumente und auch die beiden Reisenden konnten dort bequem übernachten.

Frühstück in den italienischen Alpen

Das Büro für Promotion der Stadt und Tourismus an der Stadtverwaltung Wrocław hat ihnen Infomaterial mitgegeben, kleine Figuren verschiedener Zwerge und eine große Figur von Życzliwek - des freundlichen Zwergs, der die Musiker bei den Konzerten begleiten sollte.

Mitgenommen hatten sie auch ein Schreiben vom Direktor des Büros – Radosław Michalski, mit einer Erklärung und einem amtlichen Stempel, dessen Inhalt lautete: " Gentelmen’s Jazz Duo sind offizielle Botschafter der Stadt Wrocław. Empfangen Sie sie bitte freundlich und helfen Sie ihnen bei Bedarf ".

Krajewski: - "Ohne die organisatorische und finanzielle Unterstützung unserer Mäzene, Firmen, Institution und Privatpersonen wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Ich bin ihnen sehr dankbar für die Hilfe."

Auf einen Kaffee bei Sting

Erste Zwischenstation: Prag. Die Polizisten und Mitarbeiter des Polnischen Instituts warnen, dass man auf der Straße nicht spielen darf, natürlich wegen des Corona-Virus. Doch als Krajewski und Ziętara im Garten einer Kneipe saßen, hörten sie ein Mini-Konzert eines Quintetts, bei dem die Musiker auf dem Gehweg saßen. Die Leute stehen, hören zu, die Polizisten reagieren nicht. – "Also, wenn die dürfen, dann dürfen wir auch" - sagt Krajewski. – "Wir haben uns mit der Ausrüstung vor dem Gebäude der Stadtverwaltung hingestellt und 30 Minuten lang gespielt. Die Menschen reagierten enthusiastisch, fragten, woher wir kommen. Wrocław? Natürlich kennen wir!"

Zweite Zwischenstation, München oder eher sein exklusiver Vorort - Starnberg. Als die Verwandten von Bartek erfuhren, wo "Gentelmensi" spielen sollten, konnten sie es kaum glauben: - "Dort wohnen besonders wohlhabende Menschen. Wen kennt ihr dort?“ - lacht Tomek.

Die nächste Station ein Olivenhain in der Nähe der Residenz von Sting, Il Palagio. Einen Tag vorher, während eines Spaziergangs durch das toskanische Städtchen Figline Valdarno, lernte Tomek einen Mann kennen, der bei Sting arbeitet. – "Er ist zuhause, für ein paar Tage gekommen“ – ließ ihn der Mann wissen.

Am nächsten Tag kam der Wagen mit den Wrocławer Kennzeichen an die Schranke, die den Weg in das Haus des Frontmanns von Police versperrt. "Guten Tag, ich heiße Tomasz Krajewski, bin Musiker aus Wrocław in Polen. Hätten wir eine Chance, mit Herrn Gordon den Morgenkaffee zu trinken?" – fragte Krajewski den Security-Mitarbeiter durch die Gegensprachanlage. Denn Sting ist Sting auf der Bühne, aber in seinem Pass steht der Name Gordon Sumner. Der Sicherheitsmann lachte herzlich. "Leider nicht, es tut mir leid, Sie haben keinen Termin". Mit dem Treffen hat es also nicht geklappt, doch die Souvenirs aus Wrocław landeten in Stings Briefkasten.

Im menschenleeren Venedig haben ihnen die Polizisten abgeraten, auf der Straße zu spielen, wegen der Einschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie. Die Wrocławer traten also im nahgelegenen Chioggia auf.

In Rom aber spielte das Gentelmen’s Jazz Duo in einer malerischen Gasse in der Nähe von Vatikan - in Borgo Pio. Die Menschen blieben an ihnen stehen, hörten zu und fingen sogar an zu tanzen. Dann gab es ein Konzert im nahgelegenen Anzio, wo sie fantastisch empfangen wurden. Einen Bericht vom Konzert gab es sogar im polnisch-italienischen Fernsehen. – "Am meisten interessierte sie Życzliwek, unser Begleiter“ – erzählt Tomek Krajewski.

Konzert in einer römischen Straße

Dann – nach einer Nacht auf der Fähre zwischen Ancona und Split - spielten sie im Hafen im kroatischen Senj. – "Dort konnte man endlich die Sweatshirts mit dem Wappen von Wrocław gut gebrauchen, denn der Wind war sehr stark“ – erzählt der Musiker.

Von dort aus begab sich das Gentelmen’s Jazz Duo nach Veszprém in Ungarn.

Tomek Krajewski: – "Es ist eine malerische Kleinstadt mit interessanter Architektur, freundlicher Atmosphäre, zu der die internationale Studentencommunity beiträgt. In dieser Hinsicht erinnert sie mich an Wrocław. Schon bald wird Veszprém das Amt der Europäischen Kulturhauptstadt übernehmen.

Die Wrocławer wurden enthusiastisch empfangen. Beim Konzert – vorbereitet mit Unterstützung von Krzysztof Maj, dem Chef der Kulturzone Wrocław, schlossen sich Krajewski und Ziętara die übrigen Musiker von Gentelmen’s Jazz an.

Krajewski: - "Wir wurden zwar an allen Orten unterwegs herzlich empfangen, doch mit einer gewissen Vorsicht, denn es gibt doch Covid, weil wir doch kreuz und quer durch Europa fahren und wer weiß, mit wem wir zu tun hatten. In Veszprém hingegen umgab uns bedingungslose Freundschaft und Liebe, ohne irgendeinen Abstand.

Den Schlussakkord bildete der Auftritt in Bratislava. – "Und wieder jede Menge gute Energie. Eine Frau kommt und sagt: "In der Nähe haben wir eine Jazzkneipe. Spielt doch heute bei uns". Dann ein älterer Herr: "Ich bin vom lokalen Fernsehen. Erzählt ihr mir etwas über Wrocław?"

Ein Treffpunkt auf einem Berg in den Alpen

In 14 Tagen legten die Wrocławer 4,5 Tsd. km zurück. – "Wir kamen zurück überglücklich, denn unterwegs konnten wir jede Menge guter Energie sammeln, viele freundliche Menschen kennenlernen. Von diesen Treffen werden wir in der Zukunft profitieren“ – offenbart Tomek Krajewski.

Es gibt mittlerweile neue, überraschende Effekte der Reise. Die Wrocławer wollten ursprünglich in Dresden spielen. Die lokale Verwaltung riet davon ab – wegen Corona-Virus – doch sie wurden zum Konzert am 1. September eingeladen, das unter der Schirmherrschaft des Kultusministeriums stattfindet. Sie haben außerdem Einladungen zu den Polnischen Tagen in Prag oder in einen Jazzclub in Bratislava.

Bier in Bratislava

Nach dem Konzert in München nahm sie in sein Studio Janko Rašeta mit – ein gebürtiger Kroate, sozialisiert in Wrocław und heute ein in Deutschland bekannter Gitarrist und Komponist. – "An nur einem Tag haben wir mit ihm einen völlig neuen Song aufgenommen“– erzählt Tomek Krajewski.

Auf dem Weg nach Venedig haben sie sich für das Frühstück einen Berg in den Alpen ausgesucht, einen kleinen mit gerade mal 2,5 Tsd. Meter hohen. Sie haben ihren Tisch aufgestellt, als plötzlich aus einer Hütte ein Hund zu ihnen lief, hinterher sein Besitzer. Er lud sie zum Kaffee ein, sie haben sich zwei Stunden lang unterhalten: über die Tournee, über Wrocław, über das schwierige Schicksal von Musikern während der Pandemie.

- "Überall wo wir ankamen, sprachen uns die Menschen auf Wrocław an. Das Motto "meeting place – miejsce spotkań" war auf unserem Auto zu sehen. Es wirkte genial. Ein Teil der Leute kannte Wrocław, natürlich in Deutschland als Breslau, und in Italien als Breslavia. Diejenigen, die es nicht kannten, fragten, wie man dahin kommt, was sehenswert ist" – sagt Krajewski. – "Sogar während der Pandemie sind die Grenzen offen und die Menschen haben das Bedürfnis, sich zu treffen, neue Leute kennenzulernen, zu feiern. Und man kann einen Weg finden, um die eigenen Träume zu verwirklichen."

 

Tomasz Wysocki